

Ich bin in einer streng katholischen Familie aufgewachsen. In meiner Kindheit war ich begeistert für den Glauben und bin gerne in die Kirche gegangen, auch oft ohne meine Eltern. Zur Beichte ging ich auch oft (einmal im Monat), obwohl ich noch nicht richtig wusste, was dieses Sakrament eigentlich bedeutete. Es war für mich etwas, was einfach dazugehörte. Zuhause haben wir gebetet und meine Eltern haben oft Wallfahrten gemacht, auf denen immer einige der Kinder mitkommen durften (ich bin zusammen mit meiner Zwillingsschwester das jüngste von sieben Kindern).
Meine Eltern haben versucht, mir die Liebe zu geben, die ich brauchte, und wenn ich jetzt zurückblicke, habe ich viele schöne Momente erleben dürfen, für die ich dankbar bin. Aber der Schrei nach Liebe und Annerkennung in meinem Herzen konnte von meinen Eltern nie ganz erfüllt werden. In mir war das Gefühl, es fehlt etwas, ich komme immer zu kurz! Ich hatte das Gefühl, nicht so geliebt zu sein wie ich bin, mit allen meinen Eigenschaften. Oft kam ich mir wertlos und abgelehnt vor. Besonders mit meinem Vater hatte ich Schwierigkeiten und es gab häufig Streit.
“In mir war das Gefühl, es fehlt etwas, ich komme immer zu kurz! Ich hatte das Gefühl, nicht so geliebt zu sein wie ich bin, mit allen meinen Eigenschaften. Oft kam ich mir wertlos und abgelehnt vor.”
Einige Male war der Streit in der Familie so schlimm, dass ich von zu Hause wegwollte. In diesen Situationen fehlte mir der Mut zum Leben und ich wollte einfach nur sterben, um auch keinem mehr auf die Nerven zu gehen! Damals als Kind habe ich mich schon im diesen Situationen an Gott gewandt, was mir viele Male Kraft gab. Meine ältere Schwester hielt zu mir und tröstete mich in schwierigen Stunden – und das, obwohl es ihr selber nicht so gut ging. Das persönliche Gespräch mit Gott allerdings verlor ich mit der Zeit und ich versuchte, meine Probleme zu verdrängen. In die Messe ging ich später nur noch, weil meine Eltern es wollten.
Mit zwölf Jahren habe ich dann zum ersten Mal von Medjugorje gehört, einem Marienwallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina. Meine beiden ältesten Geschwister kamen von dort als ganz andere Menschen wieder und haben voller Begeisterung vom Glauben, von der Liebe Gottes und der Spiritualität des Ortes erzählt. Dies hat mein Herz angerührt und im Sommer 1994 bin ich dann das erst Mal mit der Gruppe „Tutus Tuus“ dorthin gefahren.
In Medjugorje habe ich wieder Feuer und Begeisterung für den Gauben bekommen. Zum ersten Mal habe ich gespürt, dass ich so geliebt und angenommen bin wie ich bin. Das gab mir neuen Mut zum Leben, und diese göttliche Liebe hat mich oft zu Tränen gerührt, vor allem in der eucharistischen Anbetung, wo mich die Liebe Jesu ins Herz getroffen hat.
Mein Leben bekam durch diese Erfahrung wieder einen Sinn. Zuhause habe ich wieder angefangen zu beten und versucht die Botschaften der Mama (Gebet, Fasten, Eucharistie, Beichte, Bibel) in mein Leben umzusetzen. Aber vor allem wegen meiner Freunde, die mich nicht verstanden, habe ich die Erfahrungen in Medjugorje relativ schnell wieder verdrängt und die Kraft verloren. Ich hatte den Fehler gemacht, meinen Freunden alles zu erzählen, was ich erlebt hatte. So wurde ich in der Schule von fast allen abgelehnt und fertig gemacht wegen des Glaubens. Das ging soweit, dass ich kurz davor war die Schule zu wechseln.
Durch diese Ereignisse kamen die alten Verletzungen des sich abgelehnt fühlen wieder hoch und ich begann jemand zu werden, der ich gar nicht war und das tat ich nur, um von meinen Freunden anerkannt und geliebt zu sein, denn die Sehnsucht nach Liebe war unbeschreiblich groß.
Ich fing langsam an, mich mehr für „weltliche“ Dinge zu interessieren. Mit 13/14 Jahren fing ich an zu rauchen und gelegentlich Alkohol zu trinken, so die „Laufbahn“ eines normalen Jungendlichen einzuschlagen. Außerdem spielte der Sport in meinem Leben eine sehr wichtige Rolle und ich versuchte alles zu tun um dort sehr gut zu sein und Anerkennung zu bekommen. Dies gelang mir auch, aber im innersten meines Herzens war ich dennoch nicht glücklich und spürte eine tiefe Leere.
Ich dachte, dass ich erstmal wieder richtig abfallen muss, um von Gott geliebt zu sein, denn in vielen Glaubenszeugnissen hatte ich gehört, dass es der betreffenden Person erst richtig schlecht ging und sie sich dann bekehrte.
Ich probierte es einfach aus, auch um irgendwie über diese innere Leere hinwegzukommen. So begann sich mein Leben langsam zu steigern und ich ging auf die ersten Partys und in die ersten Diskotheken. In der Schule bekam ich mehr und mehr Schwierigkeiten, gute Leistungen zu bringen und oft betrank ich mich auch unterhalb der Woche, um die ganzen Sorgen zu vergessen.
Auf der einen Seite habe ich den Frommen gespielt und andererseits war ich genau das Gegenteil, ein Sunny- und Partyboy.
Mit meinen Eltern bin ich auch nicht mehr klar gekommen, es gab oft Streit, ich begann sehr zu rebellieren. Meine Eltern spielten mit dem Gedanken, mich in ein Internat zu stecken. Dies steigerte meine Aggressionen noch mehr, aber eigentlich war es ein Schrei nach Aufmerksamkeit und vor allem nach Liebe!
Zwischendurch bin ich trotzdem noch immer mal wieder nach Medjugorje gefahren, habe mein Leben aber nach jeder Fahrt so weitergelebt wie bisher und immer etwas extremer. Auf der einen Seite habe ich den Frommen gespielt und andererseits war ich genau das Gegenteil, ein Sunny- und Partyboy. Auch während der Medjugorje-Wallfahrten habe ich mich oft nur mit den Mädchen abgelenkt.
Mit 15 Jahren wurde es immer schwieriger. Ich trank wie gesagt auch schon unterhalb der Woche Alkohol, um nicht über meine Probleme nachdenken zu müssen. In der Schule hatte ich große Probleme mitzuhalten, und schaffte so grade die Versetzung. Diese Zeit war für mich besonders schwierig und innerlich war ich zutiefst traurig über mein Leben. Ich lebte nur noch für die Vergnügungen am Wochenende und den Sport. Oft bin ich auch sehr depressiv geworden und habe nichts mehr gemacht, sondern nur noch im Bett gelegen und wollte von nichts mehr etwas wissen.
So wurden meine Probleme keineswegs besser, sondern immer schlimmer, so dass ich es nicht mehr aushalten konnte. Immer wenn ich auf Partys war, Alkohol trank und von der Musik beeinflusst wurde, war ich spätestens am nächsten Tag am Boden zerstört, da ich Jesus gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte und ich ihm ja durch mein schlechtes Verhalten weh tat und traurig machte. Dann lenkte ich mich wieder ab und so lief der Teufelskreis, der kein Ende zu nehmen schien.
Ende 97` kamen alle Geschwister nach Hause und mir ging es wie immer schlecht. Meine älteste Schwester hat in den Tagen vor Weihnachten viel mit mir geredet und mich angespornt, wieder einen Neuanfang mit Jesus zu machen, nach Medjugorje zu fahren. Ich aber war zu stolz, um meine Fehler zuzugeben und wollte nicht mitfahren. Sie hat nicht aufgehört, mir gut zuzureden, und ich begann über mein Leben nachzudenken, und zwei Tage vor der Silvesterfahrt habe ich mich entschieden, mitzufahren, denn ich sah im Glauben den einzigen Weg aus meinen Problemen.
Ich glaube in der Zeit wo es mir schlecht ging, haben viele Menschen für mich gebetet und ich bin ja nie richtig tief in den Dreck gerutscht. Auch aufgrund der Erziehung meiner Eltern bin ich vor vielen Dingen bewahrt worden.
Im Bus nach Medjugorje, auf der Silvesterfahrt 97/98 hatte ich noch gar keine Lust, wieder zu beten und mich zu entscheiden. Ich hatte mir aber vorgenommen, in Medjugorje alles mitzumachen und Jesus gab mir dort neue Perspektiven für mein Leben, die mir neue Hoffnung und Freude am Leben gaben. Er hat mich überreich beschenkt und ich durfte seine Liebe tief in meinem Herzen spüren. In der Beichte konnte ich wirklich alles sagen und bin befreit worden von meinen ganzen Lasten. Ich habe mich vor Jesus geschämt, dass ich überhaupt so abfallen konnte, obwohl ich alles wusste. Nach der Beichte konnte ich mich dann von Herzen freuen, dass ich ein geliebtes Kind Gottes bin. Die Anbetung und die Heilige Messe haben mich sehr bewegt und oft war ich vor Freude zu Tränen gerührt. In der Gruppe wurde ich so angenommen wie ich bin, was ich gar nicht kannte, und das tat mir auch gut.
Nach dieser erfüllten Woche bin ich nach Hause gefahren und wollte mein Leben ändern! Von da an bin ich jedes Wochenende mitgefahren auf die Evangelisationseinsätze von Totus Tuus, die an den Wochenenden stattfanden – so konnte ich am Wochenende nicht mehr rausgehen. Die Botschaften der Mama habe ich auch versucht zu leben, bin Schritt für Schritt hineingewachsen! In der Schule fiel es meinen Freunden auch auf, dass ich anfing ein anders Leben zu führen, ein anderer Mensch zu werden. Ich machte immer weniger mit ihnen, kam aber sonst gut mit ihnen aus. Teilweise konnte ich einigen vom Glauben erzählen, aber ich tat das nur, wenn wirklich die Gelegenheit da war und die Person auch offen war etwas aufzunehmen.
Der Glaube ist etwas Belebendes und Wichtiges, besonders für junge Menschen. Viele sagen, dass der Glaube langweilig und etwas für Omas ist, aber das stimmt nicht. Lass dich ganz auf Jesus ein und übergib ihm alles, und er wird dich nicht enttäuschen.
Mit den Mädels habe ich mich auch noch manchmal abgelenkt und wieder Verletzungen erfahren. Irgendwann habe ich nur noch Jesus suchen wollen und ich konnte mit der Sache der Keuschheit, den Versuchungen besser umgehen. Jesus muss mich ganz heil machen, sonst kann er nicht so durch mich wirken, wie er es vorgesehen hat. Deshalb will ich ihm ganz vertrauen und ihm alles geben, durch die Hilfe der Muttergottes. Ich weiß er wird alles gut machen in meinem Leben und er hat schon Wunder der Umkehr bewirkt, über die ich sehr dankbar bin.
In meiner Familie geschieht durch das Gebet und die Versöhnung Heilung und ich habe gelernt, mich Zuhause wieder wohl und geliebt zu fühlen. Ich danke Jesus für meine Eltern, die mir das Leben und auch viele schöne Momente in meinem Leben geschenkt haben. Ich bin bereit für den Herrn alles zu tun, denn ich weiß er meint es gut mit mir.
Jetzt bin ich überglücklich, dass ich den Glauben so stark erleben darf und dass Jesus und die Mama mir täglich neue Kraft geben, wenn ich sie darum bitte und offen bleibe für die Liebe Gottes. Sicherlich ist jetzt in meinem Leben nicht alles rosig, ich habe auch Probleme und Schwierigkeiten zu bewältigen, aber der Glaube gibt mir Gelassenheit. Durch das Gebet werden viele Dinge in meinem Leben aufgedeckt, die nicht gut sind, und Verwundungen des Herzens werden geheilt.
Der Glaube ist etwas Belebendes und Wichtiges, besonders für junge Menschen. Viele sagen, dass der Glaube langweilig und etwas für Omas ist, aber das stimmt nicht. Lass dich ganz auf Jesus ein und übergib ihm alles, und er wird dich nicht enttäuschen. Sei dankbar wenn du noch nicht viel in Richtung weltlichem Getue erlebt hast. Du hast nichts verpasst!!! Zum Beispiel das Geschenk der Reinheit ist so überwältigend, bewahre es, sonst ist Dein Herz schnell gespalten! Dafür lohnt es sich zu kämpfen!!!

Es gibt so vieles in meinem Leben, wofür ich Jesus danken kann, aber würde ich das jetzt alles niederschreiben wäre das zu viel. In meinem Herzen brennt ein richtiges kleines Feuer der Liebe Gottes! Diese Liebe ist auch für mich der Ansporn für die Evangelisation! Ich habe Sehsucht das, was ich mit Gott erlebt habe weiterzugeben, das ist auch der Grund warum ich bei Totus Tuus mitarbeite. Ich sehe den Durst, den die Jugendlichen und Kinder (arbeite bei den Kindercamps von Totus Tuus mit) nach Liebe und Wahrheit haben. Oft wird ihnen so viel vorenthalten und das ist sehr schade! Deshalb kann ich gar nicht anders als mich ganz hinzugeben!