
„devet ludi“ - neun Verrückte
Wer fährt mit nach Kroatien? Alle paar Monate fährt ein Team von Totus Tuus Deutschland zu einem Treffen von Totus Tuus Kroatien nach Čakovec. Diesmal waren wir 9 Personen, die sich von Freitag bis Sonntag mit dem Bulli auf den Kurztrip in den Süden machten. Bei Schnee und Kälte ging es am Freitagabend gegen 18 Uhr von Herne aus los, doch schon kurz vor Wetzlar mussten wir eine einstündige Zwangspause einlegen und auf die ADAC-Pannenhilfe warten – die Spritzanlage für die Frontscheibe war eingefroren, an ein Weiterkommen war nicht mehr zu denken. Und auch nachdem der Schaden behoben war, kamen wir auf der Autobahn bei dichtem Schneetreiben und teilweise völlig zugeschneiter Fahrbahn nur im Schneckentempo voran. Je weiter wir jedoch in den Süden kamen, desto heftiger wurden die Wetterverhältnisse, desto weniger waren die Straßen geräumt und desto langsamer kamen wir voran. Kurz vor dem Ziel blieben wir auch noch an einem Berg stecken und mussten den Bulli (bei –14°C) aus dem Tiefschnee schieben – das unfreiwillige Fitnesstraining machte uns jedoch bald warm und unsere Freude blieb trotz allem ungetrübt. Um 15 Uhr kamen wir dann schließlich (mit einiger Verspätung) in Čakovec an, wo wir von den Kroaten herzlich empfangen wurden und ein gutes (inzwischen leider kalt gewordenes) Mittagessen vorgesetzt bekamen. Die Freude, einander zu sehen, war jedoch so groß, dass sie jede Anstrengung der Fahrt vergessen ließ – es hatte sich alles gelohnt!
Nach einer längeren Zeit des Austauschs begannen wir mit einer gemeinsamen Gebetszeit und obwohl wir die Sprache des anderen teilweise nicht wirklich verstanden, verband uns das Gebet umso mehr – vor Gott gibt es eben doch nur eine Sprache, die der Liebe. Anschließend ging es zur Hl. Messe in die Pfarrkirche von Čakovec. Am Abend fand dann noch der Gebetskreis von Totus Tuus Kroatien statt, zu dem etwa 50 Personen kamen – Gebet und Lobpreis standen im Mittelpunkt.
Nach dieser Zeit des Gebets gab es einen Kurzvortrag über die Freundschaft, die wir zu Gott pflegen müssen. Die Freundschaft zu Gott sei mit einer zwischenmenschlichen Beziehung zu vergleichen, die auch keinen Bestand habe, wenn man bei jeder Begegnung mit dem anderen in Gedanken woanders ist oder den anderen ständig zurückweist. Gott ist zwar nicht wie wir Menschen und würde niemals wütend oder beleidigt auf so ein Verhalten reagieren, aber er lässt uns immer die Freiheit und zieht sich zurück, wenn wir anderes über ihn stellen. In der Menschwerdung Jesu, die wir an Weihnachten feiern, wird die Liebe Gottes besonders konkret: Gott macht sich ganz klein, ohnmächtig und abhängig – genau wie heute in der Eucharistie. Wenn wir einmal ein kleines Neugeborenes im Arm halten, können wir auf besonders anschauliche Weise betrachten, was es bedeutet, dass Gott sich klein gemacht hat. In unserer Hand liegt es, diese Liebe zu suchen und in uns wirken zu lassen, damit wir sie auch anderen weitergeben können. Nicht wir sollten erwarten, von den anderen ermutigt und aufgerichtet zu werden, sondern wir sollten zu denjenigen werden, die ermutigen, aufrichten und die Liebe leben.
Nach diesem vorbereitenden Impuls, folgte eine Zeit der gestalteten Anbetung vor dem Tabernakel. Gegen 23.30 Uhr endete der Gebetskreis schließlich und wir trafen nochmals mit dem größten Teil der Leute zum gemütlichen Beisammensein zusammen. So schwer uns die Trennung fiel – wir mussten doch bald los. So machten wir uns am nächsten Morgen um 5 Uhr wieder auf den Heimweg nach Deutschland. Auch auf der Rückfahrt waren die Wetterverhältnisse wieder schlecht. Mit viel Schnee und Nebel, kamen wir erst um 21 Uhr in Herne an.
Auf der Hinfahrt hatte der Zollbeamte an der Grenze von Slowenien nach Kroatien wissen wollen, wie viele Personen im Auto sitzen. Eine von uns rief daraufhin mit ihren ersten Kroatischkenntnissen: „Devet ludi!“ (Neun Verrückte!). Eigentlich hatte sie „devet ljudi“ (neun Leute) sagen wollen, aber sie hatte die Sache auf den Punkt getroffen und so wurde dieser Ausspruch zum Motto unserer Fahrt. Unser Fazit für dieses kurze Abenteuer: 37 Stunden Fahrt und 14 Stunden in Čakovec haben sich durchaus gelohnt – für 9 Verrückte.
Steffi B.